Ernährung

Neun Jahre Vegetarierin

Annalena · 30.03.2019

Im April 2010 begann alles mit den Worten: „Ab heute esse ich kein Fleisch mehr!“ Meine Eltern schauten mich verdutzt an, nickten nur mit dem Kopf, und damit war das Thema im wahrsten Sinne des Wortes gegessen. Seit diesem besagten Tag habe ich bis heute kein einziges Mal mehr Fleisch gegessen. Ich war in der vierten Klasse und die einzige, die kein Fleisch mehr gegessen hat. Meine Mitschüler reagierten mit Sätzen wie: „Du willst ja nur beliebt sein“ und „Das hältst du eh nicht lange durch“ auf mein Vorhaben, dass ich lauthals verkündete. Ähnliches dachten wohl auch meine Eltern und im Nachhinein sind sie von meiner Durchhaltefähigkeit und Konsequenz überrascht. Auf Nachfragen, wieso ich mir denn sowas „antue“ antwortete ich stets „Tiere sind meine Freunde und Freunde isst man nicht“. Für mich stand der ethische Aspekt im Vordergrund und ich wollte nicht, dass die Tiere meinetwegen leiden müssen. Dass Fleisch voller Antibiotika ist und eine super schlechte Ökobilanz hat (hoher Wasserverbrauch, Abholzung des Regenwaldes, Verschmutzung des Grundwassers und eine hohe CO2-Belastung) war mir damals nicht bewusst. Als meine Eltern nach einigen Monaten merkten, dass ich mein Vorhaben durchziehe, machten sie sich ernsthafte Sorgen um mich. Liebevoll nannten sie mich „Puddingvegetarierin“, denn statt Braten, Schnitzel und Würstchen ernährte ich mich nun von Schokolade, Nutella-Brötchen und Gummibärchen (ohne Gelatine). Als ich mich schließlich auch noch weigerte, Fisch zu essen, schrillten die Alarmglocken meiner Mutter. Zu groß war die Sorge, ich könnte irgendwelche Mangelerscheinungen davontragen. Ich begann mich also das erste Mal intensiv mit dem Thema Ernährung auseinanderzusetzen und stellte meine Ernährung um. Statt Schokolade standen nun Hülsenfrüchte, Obst und Gemüse auf dem Speiseplan und meine Mutter achtete penibel darauf, dass ich auch genug Eisen zu mir nahm. Nach und nach änderte meine Mutter ihre Kochgewohnheiten und ich konnte sie davon überzeugen, dass es keinem der Familie schadet, weniger Fleisch zu essen. Seit vier Jahren isst auch meine Schwester vegetarisch und in unserem Kühlschrank ist nur noch wenig Fleisch und Wurst zu finden. Vegetarismus boomt in den letzten Jahren in Deutschland und immer mehr Ersatzprodukte halten Einzug in den Supermärkten. Wir kaufen diese gerne. Nicht, dass uns Fleisch nicht schmecken würde, wir verzichten aus ethischen und ökologischen Gründen darauf und sind für Ersatzprodukte dankbar. Dennoch muss man sich hier immer wieder viel Kritik anhören und stößt auf Unverständnis. Gerne würde ich in einigen Jahren komplett vegan leben, zur „Übung“ baue ich in meinen Alltag immer mal wieder vegane Tage ein. Bevor es aber so weit ist, muss und möchte ich mich erst noch besser mit den Lebensmitteln und ihren Nährwerten auskennen. Damit ich weiterhin so gute Blutwerte habe wie bisher. Neun Jahre bin ich nun also schon Vegetarierin. Fast mein halbes Leben habe ich keine Tiere mehr gegessen. Ob ich etwas vermisse? Ganz klares: Nein. Mir fehlt nichts, und ich kann es mir nicht mehr vorstellen, nochmal Fleisch, Fisch oder Gelatine zu essen. Neun Jahre mit einem besseren Gewissen und dem Gefühl, wenigstens etwas für die Umwelt zu tun!

Annalena, 18 Jahre

Kategorien: Ernährung , Kinder, Jugend & Politik