Sei kreativ!

Kreativität ist angeboren

KF · 11.06.2019

„Bevor ein Kind spricht, singt es. Bevor es schreibt, malt es. Sobald es steht, tanzt es.“ Die Schauspielerin Phylicia Rashad hat Recht. Sie spielte jahrelang in der Bill-Cosby-Show eine Mutter, aber sie muss deshalb keine Pädagogin sein, um auszudrücken, dass wir alle mit kreativen Talenten bereits geboren werden und Kreativität auch dringend brauchen, um heranzuwachsen. Als Kreativität bezeichnen wir aber nicht nur Musikalität oder die Eigenschaft, Bilder malen zu können. Es ist die Fähigkeit, Dinge hervorzubringen (auch zu denken), die neu sind und die, zumindest für denjenigen der sie hervorbringt, vorher unbekannt waren. Nichts anderes erlebt ein kleiner Mensch, der sich in der Welt zurechtfinden muss. Er fängt an, selbst zu denken, er macht seine eigenen Erfahrungen, er beschreitet manchmal lange und umständliche Wege und kommt zu eigenständigen Ergebnissen. Leider wird ihm genau DAS in der Schule wieder abtrainiert. Dort stehen Vokabeln, Matheformeln und Fachliteratur im Vordergrund. Selbst Kunst und Musik sind meistens verschult und oft die ersten Fächer, die bei Lehrermangel vom Stundenplan gestrichen werden. Die einzige „künstlerische“ Fähigkeit, die ihm beigebracht wird, ist, genug zu lernen, um die nächste Prüfung zu bestehen. Kinder werden darauf konditioniert, zu beobachten, zuzuhören und ihren Lehrern das zu geben, was sie erwarten. Und wehe, da traut sich jemand, zu weit „outside the box“ zu denken. Nachmittags nach der Schule sieht die Welt nicht viel kreativer aus: Kinder spielen auf vorgefertigten eintönigen Spielplätzen mit gleichaltrigen Kindern. Die meisten leben in kleinen Familien, machen nur noch eingeschränkte Geschwistererfahrungen und stehen eigentlich ständig unter erwachsener Beobachtung. Ihre Welt ist so perfektioniert, dass sie nur noch konsumieren brauchen. Ein Nährboden für Kreativität bietet sich ihnen nicht unbedingt. „Das ist sehr schade, denn Kreativität gilt als eine der Schlüsselqualifikationen unserer Zukunft,“ sagt Petra Stamer-Brandt. Als Mutter von vier Kindern, Pädagogin und Fachjournalistin weiß sie, dass diese antrainierte Konformität spätestens in der Arbeitswelt zum Verhängnis wird. Denn kreativ sind wir nach Abschluss der Schule vermutlich nicht, dafür jedoch konform. Wir erledigen die Dinge, die von uns erwartet werden und werden viel zu selten dazu ermutigt, uns an komplett Neues zu wagen. Die Welt ist aber im Wandel. „In Zukunft wird die Entwicklung der Kreativität eine immer größere Rolle spielen, denn in unserer problembeladenen, schnelllebigen Zeit brauchen wir kreative Köpfe, die Probleme als Herausforderung betrachten, Lust auf die Beschäftigung mit neuen Technologien entwickeln, bereit sind, Bestehendes in Frage zu stellen und in vielen Lebensbereichen neue Wege zu beschreiten“, so Petra Stamer-Brandt. Und genau das fällt so vielen Menschen schwer, da sie nie gelernt haben, kreativ mit Veränderungen umzugehen. Denn eines ist ganz sicher im Leben: die Veränderung! Lassen wir uns also von der Kreativität in uns beflügeln. Wenn wir uns auf Neues einlassen, müssen wir uns nicht mehr mit Dingen beschäftigen, die uns eher belasten als dienlich sind. Mit Kreativität schaffen (kreieren!) wir uns das Leben, das wir leben wollen. Und nicht müssen.

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