Urlaub und Reise

Familienurlaub auf Kreta

FN · 11.12.2018

Also mal eins vorweg: Wir gehen gerne in den Bergen wandern – und damit sind wir wohl so richtige Oldschool-Eltern. Das wird einem erst dann bewusst, wenn aus den Kleinen Heranwachsende, also vollwertige Teens, geworden sind. Dann kann man damit in Sachen Familienurlaub nicht mehr punkten und wird schnell überstimmt. Also das SMS-Modell (Sonne, Meer, Strand). Aber ein wenig speziell sollte es schon sein. So fiel die Wahl auf die größte griechische Insel Kreta, die neben spannenden Gebirgslandschaften auch kulturell einiges zu bieten hat. Natürlich gibt es bessere Reisezeiten für Kreta, aber Schulferien lassen sich nun mal nicht biegen – also ging es im Juli nach Kreta. Eine heiße Zeit, das merkten wir schon beim Ausstieg aus dem Flieger auf der Landebahn in Heraklion. 22 Uhr und 38 Grad. Nach anderthalb Stunden Autofahrt über das Ida-Gebirge bei Nacht kamen wir in unserem etwas abseits gelegenen Haus an der Südküste der Insel an. Unsere Unterkunft – perfekt für unsere Zwecke ausgestattet:

Ein Traum ohne Klimaanlage. Dafür gab es ordentlichen Wind, der uns die nächsten Tage auf der Anhöhe immer wieder begleitete, fällt doch das Gebirge an dieser Stelle an der Souda Bucht relativ steil ins Meer. So waren die 350 Meter bis zum Strand tatsächlich jedes Mal auch eine kleine Bergwanderung. Und das ohne „Gemaule“ der beiden Backfische, denn wir hatten das große Los gezogen: Ein in weiß getünchtes kubisches Kretahaus in Bergatmosphäre mit einem fantastischen Blick auf das weite südliche Mittelmeer und einem Hausstrand mit kleiner, aber feiner Taverne. Beides mussten wir uns nur mit wenigen anderen Touristen teilen. Überhaupt der Strand: Das Meer hier an dem fast südlichsten Punkt Europas ist kristallklar und gehört zu den saubersten Gewässern des Mittelmeers. Das gilt natürlich auch für die anderen Strände des nahe gelegen Badeortes Plakias, der mit diversen Einkaufsmöglichkeiten, Cafés, Souvenirläden und viele Tavernen glänzt. Als Selbstversorger findet man dort alles, was für die Ferien benötigt wird. Spannender sind jedoch die Bergdörfer rund um Plakias, wie das malerische Sellia, bei welchen die Zeit stehen geblieben scheint und das mit zwei Tavernen aufwartet, die nicht nur kulinarisch alle Register zieht. Ein Platz auf dem Balkon mit einem wunderbaren Blick auf die Souda-Bucht bei Mondschein und einem guten roten Kretawein – das ist Hollywood! Mit diesen „Basics“ hätte man es locker drei Wochen und mehr am Ort aushalten können. Aber die Insel hat noch so viel mehr zu bieten, so dass unser kleines koreanisches Auto auch viel Arbeit bekam. In mehr als fünf Jahrtausenden haben gleich mehrere Hochkulturen hier ihre Spuren hinterlassen. Und das mehr als deutlich: Faszinierend, wie fortschrittlich modern die Minoer in Architektur und Kunst schon im 3. Jahrtausend vor Christus waren – ja,ja, da saßen unsere Vorfahren noch auf den Bäumen. Im Gegensatz zum weiter entfernten Knossos konnten wir Phaistos gut erreichen und das bot einen tiefen Einblick in die teilweise gut erhaltenen Siedlungsstrukturen. An diesem Tag ging die Fahrt weiter an altgriechischen und römischen Überbleibsel vorangegangener Generationen, die aber nicht den Eindruck hinterließen wie die Höhlen von Matala am Hippie-Strand der 1970er Jahre. Was damals ein kleines Fischerdörfchen war, in welchen nicht wenige amerikanische Aussteiger ihren Sommer verbrachten, ist nun Touristenmagnet geworden, der beinahe als Hippie-Museum daher kommt – dutzende Läden für Geschmeide, Öl und dergleichen inbegriffen. Sehenswerter sind natürlich die alte Hauptstadt Chania im Nordwesten und – für uns eine echte Entdeckung – Rethymnon: In diesen  Orten spürt man noch stark den Geist der alten Venezianer, die diese im 15. bis 18. Jahrhundert geprägt haben. Aber auch die Hinterlassenschaft der nachfolgenden türkischen Herrscher der Insel sind überall in den Orten präsent. Es ist wohl diese grandiose Mischung, die beide Städte so sehenswert macht. Nicht versäumen sollte man zudem Spili, ein romantisch-kuscheliger grüner Ort in den sonst kargen Bergen südlich von Rethymnon gelegen mit seinen Käsereien, seinem weltbekannten Löwenbrunnen (klar, aus venzianischer Zeit) und den doppelstöckigen Café-Tavernen. Während der Rest der Familie sich an frischgepressten Fruchtsäften (echter Tipp auf der Insel) erfreute, habe ich hier den besten Milchkaffee Griechenlands erhalten. Ein weiteres Highlight für die Kids war unsere Roller- Tour nach Préveli. Auf einsamen Serpentinensträßchen fuhren wir zunächst hoch in die Küsten-Berglandschaft – ohne das Meer aus den Augen zu verlieren – zum Kloster Preveli. Nach einem kleinen Rundgang setzten wir unsere Fahrt fort und erreichten schließlich einen überfüllten Parkplatz. Grund war der in Reiseführern als malerisch angepriesen Schluchtenstrand Preveli, den man aber erst nach 400 Kraxelstufen erreichen konnte. Unten dann eine wunderschöne Bucht und ein Palmenwald nebst Fluss – wie zu erwarten kein Geheimtipp mehr. Umso mehr freuten wir uns auf die Rückreise – eben ein wenig EasyRider à la Kreta! Zu guter Letzt kamen wir alten Wanderfreunde dann doch zu unserem Vergnügen. Eine ausgedehnte Gipfeltour zum 2.456 m hohen Psiloritis mit Übernachtung in einer Berghütte (gibt es!) wurde es zwar nicht, dafür eine anspruchsvolle Schluchtentour im Tal der Mühlen in der Nähe von Rethymnon, die uns alle ziemlich in Schwitzen brachte. Dafür belohnte sie uns aber mit bizarren Gesteinsformationen, historischer Mühlenarchitektur und einem leckeren „Pfannkuchen“ in einem Schluchten-Café.

Unser Fazit: Kreta? In jeden Fall wieder!

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